Konzept

Vermehrung

Der Schutz der Lebensräume ist die wichtigste Massnahme, um das Aussterben von seltenen und bedrohten Pflanzenarten zu verhindern. Eine weitere Möglichkeit sind die Kultur, Vermehrung und damit die Erhaltung gefährdeter Wildpflanzen ausserhalb ihres natürlichen Lebensraumes. Diese Massnahme nennt man Ex-situ-Erhaltung. Später können so vermehrte Arten von bekannten und definierten Standorten wieder in ihren natürlichen Lebensräumen angesiedelt werden, sofern die Bedingungen stimmen.

In der Schweiz verfolgen vor allem die grösseren und universitären botanischen Gärten eigene Ex-situ-Erhaltungsprojekte. Kleineren Gärten fehlen oft die entsprechenden finanziellen, personellen und baulichen Möglichkeiten. Erhaltungskulturen von (sub)tropischen Pflanzen lassen sich unter mitteleuropäischen Klimabedingungen nicht rechtfertigen. Die Sukkulenten-Sammlung Zürich trägt deshalb mit ihrem internationalen Samentausch, wie die meisten botanischen Gärten, zur Erhaltung von seltenen Arten in Kultur und zu wissenschaftlichen Untersuchungen bei. Weiter lässt sich die genetische Vielfalt der Pflanzen mittels Lagerung von Saatgut in Saatgutbanken schützen. In der Schweiz betreibt der botanische Garten Genf eine Samenbank, die Pflanzensamen unter optimalen Bedingungen auf lange Zeit sichert.

Wiederansiedlung gelingt nicht immer

 Wiederansiedlungen erwecken den Eindruck, dass zerstörte Lebensräume und Populationen problemlos wieder herstellbar sind. Sie sind jedoch teuer und arbeitsintensiv und können die genetische Zusammensetzung einer Population verfälschen oder Krankheitserreger verbreiten. Auch bei den vorangelagerten Schritten, der ex situ-Haltung und -Vermehrung von Arten gilt es sorgsam vorzugehen. Es besteht die Gefahr, dass sich Arten an die Bedingungen der „Gefangenschaft“ anpassen und genetische, verhaltensökologische, physiologische oder morphologische Veränderungen durchlaufen, die dazu führen, dass die Pflanzen nicht mehr in ihrer natürlichen Umgebung bestehen können. Diese Probleme werden gezielt angegangen indem Richtlinien und Grundsätze für die Praxis definiert werden.