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«Unser Gründervater wäre zufrieden mit uns»

  Catherine Lambelet setzt sich für den Erhalt bedrohter Pflanzen ein. Sie ist Konservatorin am Botanischen Garten von Genf, der vor 200 Jahren vom Botaniker Augustin-Pyramus de Candolle konzipiert worden ist. Der Botanische Garten von Genf in nächster Nachbarschaft zum See und zum Büro der Vereinten Nationen ist eine Oase der Ruhe und Erholung. Über 8500 Pflanzenarten gedeihen in der weitläufigen Parkanlage und in feudalen Gewächshäusern. Daneben beherbergt der Garten einen Tierpark mit alten Haustierrassen. Catherine Lambelet arbeitet inmitten dieses Artenreichtums. Als Konservatorin setzt sie sich seit Jahrzehnten für die Erhaltung von seltenen und bedrohten Wildpflanzen ein, heute eine der wichtigsten Aufgaben der botanischen Gärten der Schweiz. Die Genferin, die in Zürich Agronomie studiert hat, ist Mitautorin verschiedener wissenschaftlicher Publikationen rund um die Flora des Kantons Genf. Darunter ist die Rot Liste, aus der wiederum eine Prioritätenliste hervorgegangen ist; eine Art Rangliste der bedrohten Pflanzen, die als Grundlage für Verhandlungen mit dem Gesetzgeber dient. «Ist eine Pflanze dieser Liste gefährdet, arbeiten wir zum Teil aufwendige Aktionspläne aus», erklärt Catherine Lambelet. Dann gehe es darum herauszufinden, …

Artenschutz in botanischen Gärten

Seit der Römerzeit belegen schriftliche Quellen eine eigentliche Gartenkultur in der Schweiz. Das antike Erbe wurde von Klöstern weiter gepflegt und der mittelalterliche Heilkräutergärten hat die spätere Entwicklung von Kloster- und Bauerngärten beeinflusst. Die ersten universitären Botanischen Gärten wurden im 16. Jahrhundert in Italien gegründet: Pisa (1543), Padua (1545) und Florenz (1545). Caspar Bauhin, Professor für Anatomie und Botanik an der Universität Basel, richtete dort 1589 den ersten universitären Botanischen Garten der Schweiz ein. Weitere folgten 1748 in Zürich, 1789 in Bern und 1817 in Genf. Anfänglich dienten die Botanischen Gärten hauptsächlich der Ausbildung von Ärzten und Apothekern und beherbergten vorwiegend Heil-, Gewürz- und Giftpflanzen. Als nach der Entdeckung neuer Kontinente zahlreiche exotische Pflanzenarten nach Europa gebracht wurden, wandelten sich die Botanischen Gärten zu wichtigen Zentren für den Austausch von lebenden und getrockneten Pflanzen (Herbarien), Information und der botanischen Forschung. Besonders im 18. Jahrhundert, zu Zeiten des schwedischen Naturforschers und Erneuerers der Nomenklatur Carl von Linné, wurden die Gärten immer wissenschaftlicher, es entstanden die heute noch angewendeten Grundlagen der Systematik. In der zweiten Hälfte des …