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Das Porträtist in der Ausgabe 4/2016 von Bioterra erschienen. Das Magazin ist Medienpartner der Botanica.
www.bioterra.ch
(Foto: Stefan Walter)

Die Letzten ihrer Art

«Verschwindet eine Art, geschieht dies meist im Stillen.»

Gregor Kozlowski ist vor rund 25 Jahren in die Saane-Stadt gekommen, hat sein Biologie-Studium abgeschlossen und doktoriert. Heute ist der gebürtige Pole wissenschaftlicher Leiter und Kurator des Botanischen Gartens der Universität Freiburg. Zurzeit sei alles etwas anders, sagt er, er habe viel um die Ohren und dazu sei er tief bewegt: Seine Kollegin und Weggefährtin Susanne Bollinger, die als technische Leiterin an seiner Seite stand, ist kürzlich verstorben. «Susanne hatte eine ausgeprägte Liebe zu Pflanzen und ein immenses Wissen.» Sie sei massgeblich dafür verantwortlich gewesen, dass «Botanica», die Woche der botanischen Gärten, ins Leben gerufen worden ist.

Im Juni 2016 feiert ebendiese «Botanica-Woche» das zehnjährige Bestehen. Unter dem Titel «Die letzten ihrer Art» stellen 20 botanische Gärten in der Schweiz – unter ihnen Freiburg – der Öffentlichkeit ihre Arbeit rund um das Erhalten aussterbender Pflanzenarten vor. Jeder teilnehmende Garten rückt zwei stark gefährdete Pflanzenarten in den Mittelpunkt, mit deren Rettung er beschäftigt ist.

Gregor Kozlowski ist in seinem Element, wenn er über sein Spezialgebiet, den Artenschutz, spricht. «Allein im Kanton Freiburg sind rund 700 Pflanzenarten bedroht, ein Drittel des kantonalen Wildpflanzenbestandes.» Das entspricht dem Landesdurchschnitt: Ein Drittel der Flora ist gefährdet und von diesen gefährdeten Arten ist wiederum ein Drittel vom Aussterben bedroht. Pflanzenarten verschwinden hauptsächlich, weil ihr Lebensraum zerstört wird, sei es durch Überbauung, den Einsatz von Herbiziden, die Klimaveränderung und durch weitere Faktoren. Die stets kleiner werdenden, meist isolierten Populationen leiden an Inzucht und genetischer Verarmung.

Besonders schlecht geht es im Kanton Freiburg – wie in der ganzen Schweiz – den Wasser- und Sumpfpflanzen. Die Zerstörung ihres Lebensraums begann schon früh mit der Trockenlegung von Mooren und Sümpfen und der Verbauung von Uferlandschaften. In Freiburg stehen deshalb die Kleine Teichseerose Nuphar pumila und das Pyrenäen-Löffelkraut Cochlearia pyrenaica im Mittelpunkt von «Botanica». Beide mögen es feucht und beiden fehlt heute weitgehend die Lebensgrundlage. «Wir vermehren sie in Ex-situ-Kultur. Das heisst, wir sammeln Pflanzenteile oder Samen der Raritäten am natürlichen Wuchsort, vermehren sie am Botanischen Garten und pflanzen sie wieder aus», erklärt der Wissenschaftler. Damit können die Populationen gestärkt, bestenfalls gerettet werden.

Die Aufgabe der botanischen Gärten hat sich grundlegend verändert: Waren sie früher hauptsächlich Schaugärten, in denen Besuchende exotische Pflanzen bestaunten, so liegt ihre Aufgabe heute in der Erhaltung aussterbender einheimischer Arten. Darum schätzt Gregor Kozlowski «Botanica» ganz besonders: «Es ist kaum bewusst, dass eine unserer Hauptaufgaben im Artenschutz besteht.» Das Engagement für unspektakuläre Pflanzen sei nicht allzu gross. Lade er Journalisten und Fotografen ein, um ihnen eine Seltenheit zu präsentieren, zum Beispiel eine Bodenritzenpflanze, interessiere das niemanden, auch wenn sie in der Fachwelt spektakulär sei. «Verschwindet eine Art, geschieht dies meist im Stillen.» Dabei seien Pflanzen die eigentliche Grundlage des Lebens. «Ohne Pflanzen gibt es keine Kleidung, keine Ernährung, kein Leben.» Es beschäftigt Gregor Kozlowski, dass wir uns immer weiter von der Natur entfernen. Dass es Kinder gibt, die ohne Kontakte zu Tieren und Pflanzen aufwachsen; dass neue Quartiere meist aufgrund ökonomischer Überlegungen gebaut werden, auf Kosten von Grünräumen. Dass es immer weniger Platz für Vögel, Fledermäuse, Insekten, Pflanzen und Leben überhaupt gibt.

In seinem Vortrag vom 18. Juni erklärt Professor Kozlowski, warum Pflanzen bedroht sind und wie botanische Gärten helfen können. Anschliessend stellt er die Freiburger «Highlights» vor, die wichtigsten 20 Arten, die gerettet werden konnten. Der dritte Teil ist dann ganz praktisch: In einem Workshop zeigen Gärtner, wie sie die Pflanzen in Ex-situ- Kultur vermehren. «Der Workshop ist vor allem für Kinder und Familien gedacht. So kommen sie in Berührung mit echten Raritäten und tun etwas für ihre Erhaltung. Das wirkt nachhaltig.»

Botanica 2016 – die botanische Woche mit insgesamt 81 Veranstaltungen findet vom 18. bis 26. Juni 2016 in 20 botanischen Gärten der ganzen Schweiz statt, www.botanica-suisse.org.

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